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Therapie
der chronischen Hepatitis B

In der Vergangenheit Jahren hat sich die Therapie
mit Alpha-Interferon etabliert. Durch sie wird eine Serokonversionsrate
zu anti-HBe bei 20-40% der Kinder erreicht und liegt damit deutlich
höher als die spontane Serokonversion, der bei vertikal
infizierten Kindern bei ca. 3% pro Jahr
liegt. Üblicherweise werden Kinder mit 5-6 Millionen E/m² s.c.
3x pro Woche über 6 Monate behandelt. Obwohl die Therapie im
Kindesalter meist gut vertragen wird, ist sie nebenwirkungsreich
und muß durchdacht gestellt werden. Der Erfolg, das heißt
eine Serokonversion zu anti-HBe oder sogar zu anti-HBs, wird von
einer Reihe von Faktoren beeinflußt. Von besonderer Bedeutung
ist der Infektionsweg. Bei vertikal infizierten Kindern liegt die
anti-HBe-Serokonversionsrate mit 20-25% niedriger. Eine Serokonversion
zu anti-HBs wird bei immerhin 6-10% aller Behandelten innerhalb
des ersten Jahres nach der Therapie erreicht. Durch eine erfolgreiche
Therapie wird eine mögliche anti-HBe-Serokonversion zeitlich
vorverlagert. Dies ist in den allermeisten Fällen mit einer
Normalisierung der Transaminasen, einem Rückgang der histologischen
Entzündungsaktivität und einer wesentlich geringeren Infektiosität
(Viruslast) verbunden. Es besteht keine Therapieindikation bei
normalen Leberwerten. Da die meisten vertikal infizierten Kinder
längere Zeit in der HBeAg-positiven Phase mit hoher Virusreplikation
verweilen, ist hier so lange keine Therapie indiziert, bis sie in
die immunreaktive Phase mit erhöhten Leberwerten kommen.
Trotz der Therapieerfolge spricht der überwiegende
Teil der Patienten nicht auf die Behandlung an. Eine wiederholte
Therapie mit Interferon hat sich als Routinemaßnahme nicht
bewährt.
Mit Etablierung des PEG-Interferons, welches nur einmal pro Woche
gegeben werden muss, steht eine einfacher zu handhabende Therapie
zur Verfügung. Das Nebenwirkungsspektrum ist ähnlich, in der Regel
aber weniger ausgeprägt. Man injiziert am besten Freitags, damit
sich die Kinder am Wochenende erholen können. Die Dosierung beträgt
1,5 µg/kg Körpergewicht x Woche. Die Behandlung muss off-label
durchgeführt werden. Viele Behandler, vor allem unter dem
Gesichtspunkt der Erfahrung mit Erwachsenen, empfehlen die Dauer von
48 Wochen.Eine prinzipielle Alternative
besteht in der replikationsvermindernden Therapie mit einem
Nukleos(t)idanalogon.DieseWirkstoffe führen
durch den Einbau eines "falschen" Basenpaares zum Kettenabbruch
der viralen DNA, was eine effektive Verringerung der Virusreplikation
zur Folge hat. Neben der zuverlässigen Reduktion der Viruslast
normalisieren sich die Leberenzyme in der Regel und die Leberhistologie
zeigt eine geringere entzündliche Aktivität. Die Serokonversionsrate
zu anti-HBe liegt jedoch im Mittel nur bei 13-25%. Die
Serokonversion hängt von der Höhe der Transaminasen vor
Therapiebeginn ab. Bei sehr hohen Werten (> 5-fache der Norm) konnte
für Lamivudin eine Serokonversionsrate von annähernd 50% dargestellt
werden. Diese Verläufe sind aber selten. Ohne eine anti-HBe-Serokonversion ist bei nahezu allen Patienten mit einer
Rückkehr der HBV-DNA auf ihre Ausgangswerte zu erwarten.
In Europa sind die Medikamente nicht zugelassen, in den U.S.A. Lamivudin
für alles Altersstufen und Adefovir ab 12 Jahre. Sie werden oral verabreicht, renal eliminiert und weisen
eine sehr gute Verträglichkeit auf. Nebenwirkungen kommen
selten vor. Insgesamt gibt es fünf Substanzen, die für Erwachsene
zugelassen sind (Lamivudin, Adefovir, Entecavir, Telbivudin,
Tenofovir). Die Behandlungsindikation muss sorgfältig bedacht werden
und ist nicht gegeben, wenn die Leberenzyme im Normbereich liegen.
Anders als bei Erwachsenen, bei denen die Reduktion der Virusmenge
das Hauptziel ist, muss bei Kindern die Serokonversion zu ant-HBe im
Vordergrund stehen. Erfahrungen mit Lamivduin in einer Dosis von 3mg/kg/KG pro Tag, maximal 100mg/d
zeigen eine gute Wirksamkeit. Man muss allerdings mit 20%
Resistenzen rechnen. Adefovir hat eine geringere Wirkung auf die
Virusreplikation, führt aber zu deutlich weniger Resistenzen und
kann nach drei Jahren durchaus bei 30-50% der Fälle zu einer
anti.HBe-Serokonversion führen.. Es ist daher aus unserer Sicht
sinnvoll, die Therapiedauer primär auf drei Jahre anzulegen, um
diese Chance zu nutzen. Die Compliance sollte vor Behandlungsbeginn
geklärt werden, da man bei unzuverlässiger Einnahme das
Resistenzproblem verstärken kann.
Indikationen
Positive
Prädiktoren für eine Therapie sind erhöhte Transaminasen, eine
relativ niedrige Viruslast und Genotyp A (nur bei
alpha-Interferonbehandlung). Besteht der Verdacht auf eine
progrediente Lebererkrankung sollte eine Behandlung durchgeführt
werden. Je nach Intensität kann den Nukleos(t)idanaloga hier der
Vorzug gegeben werden.
Vitamin E

In Studien an Erwachsenen Hepatitis-B-Trägern
konnte ein Teil der Patienten von einer Behandlung mit Alpha-Tocopherol
(Vitamin E) profitieren. In einer eigenen pädiatrischen Studie
konnten wir zeigen, dass ein Trend zur höheren
anti-HBe-Serokonversion besteht, ein signifikanter Effekt wurde
aber nicht erzielt. Da Nebenwirkungen nicht beobachtet wurden,
kann die Medikation bei Kindern,
die nicht mit Interferon oder einem Nukleos(t)idanalogon behandelt werden sollen,
erwogen werden. Die Dosierung beträgt 400 E pro Tag über einen
Zeitraum von 6 - 12 Monaten.
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