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Das
Virus

Das Hepatitis-B-Virus gehört zur Familie
der Hepadnaviridae, die ihren Namen aus "Hepar" und dem
"DNA"-Genom erhält. Es enthält ein zirkuläres,
teilweise doppelsträngiges Genom von ca. 3200 Basenpaaren.
Bisher werden acht Genotypen unterschieden. Große Sequenzabschnitte kodieren
für bis zu drei Strukturproteine wodurch das Virus eine sehr
kompakte Bauweise erreicht und einen Durchmesser von nur 42 nm besitzt.
Im Blut von infizierten Individuen finden sich drei Formen des Virus
bzw. seiner Proteine. Das Virus selbst besteht aus einer Lipidhülle
(HBsAg, surface),
dem Kern (HBcAg, core) und der DNA. Es kann in Serumkonzentrationen von
mehr als 109 Virionen pro Milliliter Serum nachweisbar sein. Darüberhinaus
zirkulieren nicht infektiöse Hüllpartikel, deren Morphologie
entweder sphärisch oder filamentös ist. Ihre Konzentrationen
liegen um ein vielfaches höher (1013 bzw 1011/ml), wobei die
Funktion jedoch weitgehend unklar ist. Ein Erklärungsmodell
für ihre Existenz ist, daß sie eine Art falsche Zielscheibe
für Antikörper des Wirtes darstellen, da sie gebunden
werden und damit nicht für die Immunabwehr gegen das eigentliche
Virus zur Verfügung stehen.
Um die Immunpathogenese des Virus zu
verstehen, ist es wichtig zu wissen, dass das Hepatitis-B-Virus,
sofern es sich nicht um seltene Mutanten handelt (siehe Mutanten)
per se nicht zytopathogen ist. Verantwortlich für die Zellschädigung
ist vielmehr die Immunabwehr (zytotoxische-T-Lymphozyten und natürliche
Killerzellen). Über virale Antigene, die auf der Hepatozytenmembran
durch die
Präsentation auf MHC-Klasse-II-Molekülen erkannt werden,
wird die infizierte Zelle attackiert. Für extrahepatische
Manifestationen
der Infektion werden zum Teil zirkulierende Immunkomplexe verantwortlich
gemacht.
Epidemiologie

Weltweit infizieren sich jährlich
mehr als 50 Millionen Menschen mit dem Hepatitis B Virus; 1 Million
sterben pro Jahr an den Folgen der Infektion. Fast die Hälfte
der Weltbevölkerung wurde von HBV infiziert und 250-300 Millionen
Menschen sind chronische Virusträger. Trotz der Entwicklung
eines Impfstoffes stieg die Prävalenz von HBV, da dieser für
den größten Teil der Weltbevölkerung bisher nicht
zugänglich ist. In Nordeuropa beträgt die Prävalenz
chronischer Träger 0,5-1%, in Südeuropa bis 2-5%.
Transmission
und Prävention

Die prä- oder peripartale Übertragung
ist nach der Einführung des Screenings von Blutkonserven im
Kindesalter hierzulande der häufigste Übertragungsweg.
Dabei wird eine intrauterine Übertragung bei 2-3% der vertikalen
Transmissionen angenommen.
Bedeutender ist die Übertragung während und nach der Geburt
durch Kontakt des Kindes mit mütterlichem Blut oder später
durch Muttermilch in der Stillperiode. Ob ein Kind vertikal infiziert
wird, hängt vom serologischen Status und der Viruslast der
Mutter ab.
HBeAg-positive Mütter übertragen in ca. 90% die Infektion,
während nur 20% der Neugeborenen von anti-HBe-positiven Müttern
chronisch infiziert werden.
Die Ansteckung durch parenterale und perkutane
Exposition mit Blut beispielsweise durch verunreinigte Nadeln
von Drogenabhängigen oder bei Massenimpfungen in Ländern,
in denen keine Einmalspritzen verwendet werden, ist noch ein
beachtenswerter
Infektionsweg. Ein weiterer wichtiger Infektionsweg ist die horizontale
Übertragung. Hier ist die genaue Infektionsquelle in der
Regel unbekannt. Die sexuelle Übertragung gewinnt in der
Adoleszenz und im Erwachsenenalter an Bedeutung.
Eine effektive Prävention ist seit Mitte
der 80er Jahre durch die aktive Impfung möglich. Bei HBsAg-positiven
Müttern wird der Säugling postpartal innerhalb der ersten
12 Stunden simultan passiv und aktiv geimpft. Bei bis zu 5% der
Fälle kommt es dennoch zu einer chronischen Infektion. Diese
resultiert aus Impfversagern, spezifischen HBV-Mutanten (siehe
Mutanten) oder der zurückliegenden
intrauterinen Infektion.
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