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Ätiologie
und Spontanverlauf

Die chronische Hepatitis C ist im Kindes-
und Jugendalter
derzeit in Deutschland durchaus noch von epidemiologischer Bedeutung.
In Kenntnis der Übertragungswege und der Höhe der Virusreplikation
kann aber davon ausgegangen werden, dass die Anzahl neu erkrankter
Kinder abnimmt und sich ätiologisch verschiebt. Während
bis vor 10 bis 15 Jahren die meisten Patienten durch die Transfusion von Blut
und Blutprodukten infiziert wurden, spielt jetzt die vertikale
Transmission die absolut dominierende Rolle spielt. Das vertikale Übertragungsrisiko
liegt zwischen 1und 6%. Wenn man davon ausgeht, dass bei den künftig
etwa 680.000 Geburten in Deutschland nur etwa 0,2 - 0,3% infektionsgefährdet
sind, ist damit zu rechnen, dass jährlich etwa 60 - 100 Kinder eine
perinatale HCV-Infektion bekommen, die derzeit nicht zu verhindern
ist..
Bisher liegen keine Langzeituntersuchungen im Erwachsenenalter zum Spontanverlauf von
perinatal infizierten Kindern vor. Es hat sich aber in den letzten
Jahren herausgestellt, dass die bei älteren Menschen gefürchteten
schwereren Verläufe im Kindes- und Jugendalter selten
sind. Die Erkrankung verläuft in der Regel symptomlos und nur in
Ausnahmefällen als progrediente Lebererkrankung (5%).
Untersuchungen zur Histopathologie der Leber bei Kindern mit chronischer
Hepatitis C ergaben im Durchschnitt eine geringe entzündliche
Aktivität und eine geringe Leberzirrhoserate. Auch die Virusreplikation
war im Durchschnitt bei Kindern niedriger als bei Erwachsenen, was
für die Behandlungserfolge günstig ist. Trotzdem
gibt es immer wieder auch junge Patienten, die eine progrediente
chronische Hepatitis C mit Leberzirrhose haben. Insgesamt kann jedoch
davon ausgegangen werden, dass die Progredienz zur Leberzirrhose
im Kindes- und Jugendalter die Inzidenz von 5-10% nicht überschreitet.
Die spontane Viruselimination wird unterschiedlich angegeben. Man
kann davon ausgehen, dass bis zu 20% der perinatal infizierten
Kinder bis zum Erreichen des Schulalters das Virus spontan
verlieren. Eine kürzlich erschienene
italienische Untersuchung ergab eine spontane Eliminationsrate bei
Kindern mit Genotyp 1 von ca. 8% und bei denen mit Genotyp 2 und 3
von ca. 15% bis zum Alter von 4 Jahren.
Therapie
der chronischen Hepatitis C

Die Behandlungsindikation bei Kindern
wir aus zahlreichen Gründen nicht ohne Kontroverse
diskutiert. Zum einen
fällt es manchem schwer, die Indikation zu einer invasiven Behandlung zu
stellen, wenn bekannt ist, dass zunächst über Jahre
keine unmittelbare Gefahr für eine signifikante Verschlechterung
der Erkrankung besteht. Des weiteren waren die früheren Behandlungsergebnisse,
die mit Alfa-Interferon erzielt wurden, sowohl bei Erwachsenen,
als auch bei Kindern enttäuschend. Die Viruseliminationsraten
lagen nach 12-monatiger Behandlung bei 8 bis maximal 25%. Dies
hat sich aber durch die Ergebnisse der (Peg)-Interferontherapie in
Kombination mit Ribavirin geändert. Die Erfolgraten liegen nun
gesamthaft betrachtet bei über 50%, wobei die Betrachtung der
Genotypen ganz wesentlich ist. Es kann kein Zweifel bestehen, dass
die erfolgreiche Behandlung bzgl. Spätfolgen wie Leberzirrhose und
die Entstehung eines hepatozellulären Karzinoms bei Erwachsenen
präventiv wirkt. Da man im Kindesalter
von einer sehr langen Infektionszeit ausgehen muss, ist bei einer
Latenz von 30 bis 50 Jahren durchaus mit der Komplikation des hepatozellulären
Karzinoms zu rechnen. Zweifellos wäre eine möglichst
frühe Elimination des Virus prognostisch von großem
Vorteil.
Seit 2001 ist die Kombinationstherapie
PEG-Interferon und Ribavirin in Deutschland die Standardtherapie
für Erwachsene. Die Responserate ist genotypabhängig.
Genotyp 1 kann in 45 bis 50% der Fälle, die anderen Genotypen
(2 und 3) sogar in über 70 - 75% erfolgreich behandelt werden.
Dabei ist eine persistierende HCV-RNA-Negativität über
ein halbes Jahr nach Abschluss der Behandlung ein prognostisch sehr günstiges
Zeichen, da die Rückfallrate im weiteren Verlauf äußerst gering
ist. Für Erwachsene stehen Peg-Interferon-alfa2a und -alfa2b zur
Verfügung. Im Ergebnis sind sie gleichwertig.
Wirkung
des PEG-alfa-Interferon

Da alle Interferone eine relativ kurze Halbwertszeit haben, führte
die dreimalige Injektion pro Woche zu regelmäßigen Peak- und Tal-Spiegeln, die eine konstante Wirksamkeit des Interferons
verhinderte. Man hat daher ein hochmolekulares Interferon entwickelt.
Dieses PEG-Interferon mit verzweigten Ketten hat im günstigen
Fall ein Molekulargewicht von 40 kd. Das pegulierte Interferon
hat ein Wirkungsmaximum bei 78 +/- 27 Stunden. Es muss daher nur
einmal pro Woche injiziert werden.
Ribavirin

ist ein Nukleosid-Analogon, welches im Replikationszyklus des
Hepatitis-C-Virus zu Kettenabbrüchen führt und daher
die Replikation beeinflusst. Es zeigte sich aber, dass dies nicht
der alleinige Wirkungsmechanismus sein kann, da Ribavirin alleine
nicht erfolgreich ist. Der synergistische Wirkmechanismus mit
Alpha-Interferon ist letztlich nicht ganz geklärt.
Behandlung
bei Kindern und Jugendlichen

Auch wenn der Erfolg der Interferon- und Ribavirinbehandlung vom
Genotyp und vom HCV-RNA-Titer beeinflusst wird, kann die Behandlung
im Prinzip
für alle Hepatitis-C-Erkrankten empfohlen werden. Die Kombinationsbehandlung
von alfa-Interferon und Ribavirin ist unter 18 Jahren
zugelassen. Die empfohlene Dosierung beträgt 3 MU/m² Alfa-Interferon-2b,
3 x pro Woche
und 15 mg Ribavirin pro kg Körpergewicht/Tag behandelt.
Die meisten Ärzte und Eltern wollen keine
konventionelle Behandlung sondern die Kombination des
Peg-Interferon mit Ribavirin anwenden. Der Vorteil des
Peg-Interferons besteht in der reduzierten Injektionsfrequenz von
einmal pro Woche und der besseren Verträglichkeit. Man empfiehlt
die Injektion am Freitag, damit sich die Patienten über das
Wochenende erholen können. Gerade für Kinder und Jugendliche ist
die ein deutlicher Vorteil in der Lebensqualität unter der
Behandlung.
Zwischenzeitliche liegen drei publizierte
Studien mit
Peg-Interferon-alfa2b und Ribavirin bei über 175 Kinder und
Jugendlichen vor. Die Erfolgsrate ist wie bei Erwachsenen abhängig
vom Genotyp. Kinder und Jugendliche mit einer Genotyp 2 oder
3-Infektion können in über 90% erfolgreich behandelt werden,
Patienten mit Genotyp 1 in rund 50%, wobei hier die Erfolgsrate von
der Viruslast abhängt. Liegt die Virusmenge vor Therapie unter
600.000 U/l, steigt die Erfolgsrate auf über 70%.
Für Peg-Interferon-alfa-2a gibt es bisher zwei nur als Abstrakt
publizierte Studien, die ein vergleichbares Ergebnis ausweisen. Die
Dosierbarkeit ist anwendungsbedingt schwierig, so dass die
Routinetherapie derzeit mit Peg-Interferon-alfa2b und Ribavirin
durchgeführt wird. Die Kombination ist in
Europa noch nicht zugelassen, in den U.S.A. seit Dezember 2008. Auch
für Europa wird die Zulassung für Ende 2009 angestrebt. Die Anträge
sind bei der Zulassungsbehörde (EMEA) eingereicht.
Aktuell behandelt man mit der
Dosierung 1,5 (-2) µg/kg x Woche Peg-Interferon-alfa2b und 15 mg/kg
x Tag Ribavirin. Ribavirin gibt es als Lösung und Kapsel, so
dass die körpergewichtsadaptierte Behandlung kein Problem darstellt.
Die geringste Abpackung des Peg-Interferons-alfa2b ist 50µg, so dass
die geringste mögliche Abgabedosis 30 µg beträgt. Damit können
Kinder ab 15 kg behandelt werden. Das ist durchaus realistisch, da
die Behandlung auch mit dem konventionellen Interferon erst ab dem
vollendeten dritten Lebensjahr zugelassen ist. Eine frühere
Behandlung ist auch nicht erforderlich. Man kann auch warten, bis
das Kind etwas älter ist. Die Verträglichkeit ist bis zum
Pubertätsalter eindeutig besser als später. Die
Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergarten und Schule können
regelmäßig weiter besucht werden. Nach der Zulassung von
Peg-Interferon-alfa2b wird die Dosierung 60µg/m² x Woche
betragen, da die Zulassungsstudie mit dieser Dosierung durchgeführt
wurde.
Da die Behandlungsergebnisse von der
Höhe der Transaminasen unabhängig sind, führen wir keine
routinemäßige Leberbiopsie vor der Therapie durch. In
Ausnahmefällen, in denen der Verdacht auf eine progredienten
Lebererkrankung oder Leberzirrhose besteht, sollte man aber einen
histologische Befund anstreben. Auch der Übertragungsweg der
Infektion spielt keine Rolle.
Einige Nebenwirkungen der Behandlung
verdienen besondere Beachtung. Neben grippeähnlichen Wirkungen sind
vor allem die Appetitlosigkeit, ein geringer Haarausfall und die
Nebenwirkungen auf die Leukozyten, eventuell auch auf das Hämoglobin
zu erwähnen. Besonders aber muss nach längerer Therapiedauer auf die
Schilddrüsenfunktion und die Entstehung von Schilddrüsenantikörpern
geachtet werden. Die Nebenwirkungen sind in aller Regel reversibel.
Während der Behandlungsphase ist die Wachstumsgeschwindigkeit der
Kinder reduziert. Es kommt bei den meisten Kindern zu einem
Aufholwachstum nach Absetzen der Therapie; bei einigen wenigen kann
es aber möglich sein, dass die ursprüngliche Endgröße nicht ganz
erreicht wird. Hier handelt es sich um wenige Zentimeter, so dass
die behandelnden Kindergastroenterologen hierin keine
Kontraindikation zur Therapie sehen. Die europäischen
Zulassungsbehörden sehen dies offenbar etwas kritischer, was den
Zulassungsprozess in Europa nicht beschleunigt.
Für Genotyp 1 und 4 muss eine
Therapiedauer von 48 Wochen veranschlagt werden. Nach 3-4 Monate
wird entschieden, ob der Patient weiter behandelt wird. Ist die
Viruslast nicht mindestens zwei 10er log-Stufen abgefallen, muss das
Kind als Non-Responder eingestuft werden, und die Weiterführung der
Behandlung ist nicht sinnvoll. In allen anderen Fällen besteht eine
gute Aussicht auf Heilung, insgesamt ca. 50%, bei einer
Ausgangsviruslast unter 600.000 U/l ca. 70%, bei höheren Werten
zunehmend weniger mit bis 30%.
Für Genotyp 2 und 3 ist eine
Therapiedauer von 24 Wochen ausreichend. Im Prinzip gelten die
gleichen Anwendungsregeln wie bei Genotyp 1. Die möglichern
Auswirkungen auf die Schilddrüse und das Wachstum sind aufgrund der
kürzeren Therapiedauer wesentlich geringer. Die dauerhafte
HCV-Negativierung (SVR, sustained viral response) beträgt über 90%
und ist damit exzellent. Bei anhaltendem Erfolg über 6 Monate nach
Therapieende wurde in Nachfolgestudien nur in seltenen Einzelfällen
ein Wiederaufflammen beobachtet, so dass von einer dauerhaften
Heilung ausgegangen werden kann.
Da man mit der
Peg-Interferon-alfa2b-Behandlung in Kombination mit Ribavirin im
Kindes- und Jugendalter zwischenzeitlich viel Erfahrung hat und die
Kombination in den U.S.A. zugelassen ist, übernehmen die
Kostenträger die Behandlung.
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