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Verlauf
der Erkrankung

Die chronische Hepatitis C ist eine Viruserkrankung,
die in erster Linie die Leber betrifft und über viele Jahre
verläuft Eine spontane Ausheilung ist selten. In den meisten
Fällen sind die betroffenen Kinder und Jugendlichen klinisch
weitgehend gesund und für viele ist wenig verständlich,
dass sie von einer chronischen Erkrankung betroffen sind, obwohl
sie gar nichts davon spüren. Auch wenn kurz- und mittelfristig
keine körperlichen Funktionsstörungen vorliegen, können
langfristig ernsthafte Folgeerkrankungen auftreten.
Man muss sich also frühzeitig mit der Erkrankung und den
diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten beschäftigen.
Diagnostik

Es werden verschiedenen Laboruntersuchungen
zur Diagnosestellung benötigt. Dazu gehören neben dem
Blutbild, die Leberwerte und die Virusmarker des Hepatitis-C-Virus
(anti-HCV, HCV-RNA). Es werden in Europa 4 wesentliche Genotypen
unterschieden. Am häufigsten kommt Genotyp1 vor, dann Genotyp 2
und drei. Genotyp 4 ist selten.
Außerdem sollte zumindest am Anfang und alle 1-2 Jahre eine
sonographische Untersuchung der Leber durchgeführt.
Wenn genauere Informationen über
das Ausmaß der entzündlichen Aktivität im Lebergewebe
gewonnen werden sollen, muss eine Leberbiopsie durchgeführt
werden. Dies ist aber nicht regelmäßig, sondern nur
in Ausnahmefällen notwendig, wenn ein besonders schwerer Verlauf
vermutet wird. Auch vor einer Behandlung
muss keine Biopsie durchgeführt werden, da die
Behandlungsergebnisse nicht von der entzündlichen Aktivität
abhängen.
Leberbiopsie

Eine Leberbiopsie ist die genaueste Methode, um den Grad der Entzündung
oder der Bindegewebsvermehrung der Leber bei Lebererkrankungen zu untersuchen.
Dabei wird beim liegenden Patienten unterhalb des rechten Rippenbogens
mit einer dünnen Hohlnadel in die Leber gestochen und etwas Lebergewebe
angesaugt. Die Leber an sich ist schmerzunempfindlich. Nur das
Eindringen der Nadel durch die Haut und die Leberkapsel wird gespürt.
Um den Kindern die Prozedur zu erleichtern, wird
die Punktion in Analgo-Sedierung (Schlaf) durchgeführt. In
sehr seltenen Fällen kann es zu einer
Nachblutung kommen.
Das bei der Biopsie gewonnene Gewebe wird mikroskopisch untersucht
und kann wichtige Aufschlüsse über den Stand der
Erkrankung und die Einschätzung der Prognose geben.
Verlauf

Nach der Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus werden etwa 80% der
Betroffenen chronische Virusträger. Der weitere Verlauf der
Erkrankung und die Folgeschäden sind sehr von der Entwicklung
einer Leberfibrose oder Leberzirrhose abhängig. Dies sind
irreversible Umbauvorgänge, bei denen Leberzellen durch Bindegewebe
ersetzt werden. Im Vergleich zu Erwachsenen, verläuft die Infektion
im Kindesalter weniger aggressiv. Bis zum Erwachsenenalter
entwickeln etwa 5% eine Zirrhose. Diese Kinder tragen später
ein hohes Risiko einen bösartigen Lebertumor, das so
genannte
hepatozelluläre Karzinom zu entwickeln. Da die Kinder aber
in sehr jungen Jahren infiziert wurden, steigen die Risiken
im späteren Erwachsenenalter und die Leberzirrhoserate wird
zunehmen.
Eine Ausheilung der chronischen Infektion
wird mit dem Verlust der HCV-RNA und dem Auftreten von
Antikörpern gegen HCV (anti-HCV) gleichgesetzt. Dieser
Zustand wird mit der Behandlung angestrebt. Bei erfolgreicher
Behandlung kann man davon ausgehen, dass ein Rückfall auch nach
vielen Jahren ausbleibt, er ist jedoch nicht hundertprozentig
ausgeschlossen.
Die chronische Hepatitis C stellt demnach
durchaus eine ernste Erkrankung dar. Sie wird
bei einem großen Teil der Patienten die Infektion rein zufällig
entdeckt, ohne dass sie sich an Beschwerden erinnern können.
Diese so genannte "inapparente Phase", also die Infektion
ohne schwere Krankheitssymptome, dauert nicht selten über
Jahrzehnte an. Bei Kindern ist der häufigste Infektionsweg die
Ansteckung unter oder vor der Geburt durch die
Hepatitis-C-infizierten Mutter.
Therapie
Die Standardtherapie für Erwachsene
besteht in der Kombination von Peg-Interferon alfa-2a oder
-alfa-2b mit Ribavirin. Diese Behandlung kann prinzipiell auch für
Kinder und Jugendliche eingesetzt werden. Sie ist in Europa noch
nicht zugelassen, in den U.S.A. die Kombination
Peg-Interferon-alfa2b mit Ribavirin seit Dezember 2008. Auch für
Europa wird die Zulassung für Ende 2009 angestrebt. Die Anträge
sind bei der Zulassungsbehörde (EMEA) eingereicht.
Auch wenn der Erfolg der Interferon- und Ribavirinbehandlung vom
Genotyp und vom HCV-RNA-Titer beeinflusst wird, kann die Behandlung
im Prinzip
für alle Hepatitis-C-Erkrankten empfohlen werden. Die Kombinationsbehandlung
von alfa-Interferon und Ribavirin ist unter 18 Jahren
zugelassen. Die empfohlene Dosierung beträgt 3 MU/m² Alfa-Interferon-2b,
3 x pro Woche
und 15 mg Ribavirin pro kg Körpergewicht/Tag behandelt.
Die meisten Ärzte und Eltern wollen keine
konventionelle Behandlung sondern die Kombination des
Peg-Interferon mit Ribavirin anwenden. Der Vorteil des
Peg-Interferons besteht in der reduzierten Injektionsfrequenz von
einmal pro Woche und der besseren Verträglichkeit. Man empfiehlt
die Injektion am Freitag, damit sich die Patienten über das
Wochenende erholen können. Gerade für Kinder und Jugendliche ist
die ein deutlicher Vorteil in der Lebensqualität unter der
Behandlung.
Für Genotyp 1 und 4 muss eine
Therapiedauer von 48 Wochen veranschlagt werden. Nach 3-4 Monate
wird entschieden, ob der Patient weiter behandelt wird. Ist die
Viruslast nicht mindestens zwei 10er log-Stufen abgefallen, muss
das Kind als Non-Responder eingestuft werden, und die
Weiterführung der Behandlung ist nicht sinnvoll. In allen anderen
Fällen besteht eine gute Aussicht auf Heilung, insgesamt ca. 50%,
bei einer Ausgangsviruslast unter 600.000 U/l ca. 70%, bei höheren
Werten zunehmend weniger mit bis 30%.
Für Genotyp 2 und 3 ist eine
Therapiedauer von 24 Wochen ausreichend. Im Prinzip gelten die
gleichen Anwendungsregeln wie bei Genotyp 1. Die dauerhafte
HCV-Negativierung (SVR, sustained viral response, Heilung) beträgt
über 90% und ist damit exzellent. Bei anhaltendem Erfolg über 6
Monate nach Therapieende wurde in Nachfolgestudien nur in seltenen
Einzelfällen ein Wiederaufflammen beobachtet, so dass von einer
dauerhaften Heilung ausgegangen werden kann.
Da man mit der
Peg-Interferon-alfa2b-Behandlung in Kombination mit Ribavirin im
Kindes- und Jugendalter zwischenzeitlich viel Erfahrung hat und
die Kombination in den U.S.A. zugelassen ist, übernehmen die
Kostenträger die Behandlung.
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